Marketing
Von Luka Scuric


Wer versteht, wie Mandanten mit einer KI sprechen, versteht auch, warum manche Kanzleien genannt werden und andere nicht. Denn in KI-Systemen wird nicht gesucht, sondern gefragt. Und Fragen sehen völlig anders aus als Suchbegriffe.
Vom Suchbegriff zur ganzen Frage
Bei Google tippt jemand „Anwalt Kündigung Berlin“. Bei ChatGPT schreibt dieselbe Person: „Mir wurde nach acht Jahren betriebsbedingt gekündigt, ich bin 54 und wohne in Berlin. Was kann ich jetzt tun und an wen wende ich mich?“
Der zweite Satz enthält Alter, Dauer der Beschäftigung, Kündigungsgrund, Ort und zwei verschiedene Anliegen. Eine Kanzleiseite, die nur auf das Stichwort „Kündigungsschutz“ hin geschrieben ist, hat auf diese Frage keine passende Antwort. Eine Seite, die den Ablauf, die Fristen und die Rolle des Lebensalters erklärt, hat sie.
Vier Arten von Fragen, die immer wieder auftauchen
Fragen nach Zuständigkeit
„Welcher Anwalt ist für mein Problem zuständig?“ Viele Menschen wissen nicht, in welches Rechtsgebiet ihr Anliegen fällt. Sie beschreiben eine Situation und erwarten, dass die KI die Einordnung übernimmt. Wer sein Rechtsgebiet in Alltagssprache erklärt und typische Fälle benennt, wird hier zuordenbar.
Fragen nach Kosten
„Was kostet ein Anwalt für eine Kündigungsschutzklage?“ Diese Frage steht bei fast jedem Anliegen früh im Verlauf. Kanzleien weichen ihr gern aus. Genau das ist die Chance: Wer Kostenstrukturen sachlich erklärt, also Gegenstandswert, Rechtsschutz, Beratungshilfe, liefert etwas, das kaum jemand liefert und das die KI dankbar zitiert.
Fragen nach Ablauf und Dauer
„Wie lange dauert ein Verfahren?“ oder „Was passiert nach der Klage?“ Menschen wollen Orientierung, bevor sie sich binden. Eine nüchterne Schilderung des typischen Ablaufs mit realistischen Zeiträumen wirkt vertrauensbildend und ist zitierfähig.
Fragen nach Einschätzung
„Habe ich überhaupt eine Chance?“ Hier ist Vorsicht geboten, denn eine Einschätzung im Einzelfall ist Rechtsberatung und gehört in ein Gespräch. Zulässig und hilfreich ist es, die Kriterien zu erklären, nach denen sich so etwas beurteilt, und deutlich zu machen, dass die Bewertung vom konkreten Fall abhängt.
Wie Sie die Fragen Ihrer Mandanten finden
Die beste Quelle sitzt bereits in Ihrer Kanzlei. Notieren Sie zwei Wochen lang, welche Fragen Mandanten am Telefon und im Erstgespräch stellen, und zwar wörtlich. Diese Formulierungen sind wertvoller als jede Keyword-Liste, weil sie genau so klingen wie das, was Menschen einer KI schreiben.
Ergänzend hilft ein einfacher Test: Stellen Sie den KI-Systemen selbst die Fragen, mit denen ein typischer Mandant zu Ihnen kommt, und lesen Sie die Antworten aufmerksam. Sie sehen dabei zweierlei, nämlich welche Kanzleien genannt werden und welche Aspekte die KI für wichtig hält.
Aus Fragen werden Inhalte
Nehmen Sie jede gesammelte Frage als Überschrift und beantworten Sie sie in den ersten beiden Sätzen darunter vollständig. Kein Vorspann, keine Selbstdarstellung. Erst danach folgen Details, Ausnahmen und der Hinweis, wann eine individuelle Prüfung nötig ist.
Dieses Format hat einen angenehmen Nebeneffekt: Es hilft nicht nur der KI, sondern auch den Menschen, die auf Ihrer Seite landen. Beide suchen dasselbe, nämlich eine klare Antwort.
Häufige Fragen
Sollte ich jede Mandantenfrage auf der Website beantworten?
Nein, und das wäre auch nicht sinnvoll. Konzentrieren Sie sich auf die Fragen, die in Ihren Rechtsgebieten am häufigsten vorkommen und bei denen es im Netz bisher wenig brauchbare Antworten gibt. Zehn gut beantwortete Fragen wirken stärker als fünfzig oberflächliche.
Verliere ich Mandate, wenn ich zu viel kostenlos erkläre?
Die Erfahrung spricht dagegen. Wer eine Frage verständlich beantwortet bekommt, hält den Absender für kompetent. Die eigentliche Beratung im Einzelfall lässt sich ohnehin nicht durch einen Artikel ersetzen, und genau das können Sie im Text auch deutlich machen.
Wie oft ändern sich die Fragen?
Die Grundmuster bleiben über Jahre stabil, weil sich die Lebenslagen nicht ändern. Was sich verschiebt, ist die Formulierung. Je selbstverständlicher Menschen mit KI-Systemen sprechen, desto länger und persönlicher werden die Fragen.
Muss ich dafür einen Blog führen?
Ein Blog ist ein Weg, aber nicht der einzige. Auch strukturierte Frage-Antwort-Bereiche auf den Rechtsgebietsseiten erfüllen den Zweck. Entscheidend ist das Format der Antwort, nicht die Rubrik, in der sie steht.






